Am Sonntag trifft der FC Bayern auf den derzeitigen Tabellenführer Bayer 04 Leverkusen. Nach Robert Enkes Tod ist der Schritt zurück in den Fußballalltag nicht einfach. Aber ich habe - so gut es mir möglich war - meinen Gefühlen hier Ausdruck verliehen, damit soll es dann auch erstmal gut sein.
Die Begegnung gegen Leverkusen ist Anlass für mich eine kleine Zeitreise ins Jahr 1981 zu unternehmen.
Vor 28 Jahren kam es zu der gleichen Begegnung, auch wenn die Voraussetzungen ganz andere waren. Damals kamen die Leverkusener im August nach München, zum frisch gebackenen Deutschen Meister - es war der erste Spieltag der Saison 1981/82.
Der damalige Bayern-Präsident Willi O. Hoffmann lobte im Bayern-Magazin überschwänglich das "Pal-System" von Trainer Pal Csernai - nur zwei Jahre später rebellierte die Mannschaft gegen Csernai, der Trainer wurde entlassen und das "Pal-System" war Geschichte.
"Fast alle Bundesligaklubs, selbst die deutsche Nationalmannschaft, versuchen unseren "kooperativen Führungsstil" und unsere Spielweise (das Pal-System von Trainer Csernai) zu übernehmen."
(Willi O. Hoffmann aus "Der Brief des Präsidenten", Bayern Magazin Nr. 8/33. Jhg.)
Bayern hatte die siebte Meisterschaft errungen und traf nun zum Bundesliga-Auftakt auf die Mannschaft, die in der Vorsaison 3:0 durch drei Tore von Arne Larsen-Ökland gewann. Eine Niederlage, die den unrühmlichen Höhepunkt einer zwischenzeitlichen Flaute darstellte. Bayern lieferte daraufhin eine Glanzleistung nach der anderen ab und holte letztendlich den Meistertitel vor dem HSV.
Mit den Leverkusenern hatten die Bayern also noch eine Rechnung offen. Vor 26.000 Zuschauern im Olympiastadion gewann der FCB mit 6:2 (Halbzeitstand 5:1, was dem Prominenten-Tipp von Wolfgang Overath entsprach). Die Bayern-Tore schossen Breitner (2), Rummenigge, Niedermayer, Dremmler und Dieter Hoeneß.
Im Aufgebot der Gäste standen Spieler wie Dietmar Demuth, Jürgen Gelsdorf, Peter Hermann, Jürgen Glowacz, Arne Larsen-Ökland, Peter Szech, Dieter Herzog und Thomas Hörster.
Ökland, der Norweger mit Schuhgröße 38, hatte in der Vorsaison seinen vierten Treffer vom Schiedsrichter aberkennen lassen, als die Bayern sich den Ball schon zum Anstoß bereit gelegt hatten. Der Ball war nur ans Außennetz gegangen. Breitner und Rummenigge bedankten sich daraufhin per Handschlag bei Ökland für dessen Fairness.
Im Bayern-Magazin vom 8. August 1981 wurden die Spieler des Gegners noch "Chemiker" genannt und die Anschrift des Vereins mit Carl-Duisburg-Straße angegeben. Gemeint war allerdings
Carl Duisberg.
"Jungschauspielerin" Dolly Dollar outete sich als Bayern-Fan und eine Wahrsagerin prognostizierte den Bayern Meistertitel und Europapokal. Beides erreichte der Klub nicht (Meister wurde der HSV und im Landesmeister-Finale in Rotterdam verlor der FCB äußerst unglücklich gegen Aston Villa).
Teuerster Neuzugang der Saison 81/82 war mit 950.000 DM Asgeir Sigurvinsson.
Bayern München hatte in der Vorsaison nach drei Jahren erstmals wieder eine positive Transferbilanz erreicht und man dachte über die Gründung eines Jugend-Fußballinternats nach.
Die Meister-Tipps der Prominenten für die neue Saison liefen natürlich allesamt auf den FC Bayern hinaus (Max Merkel, Iris Berben, Walter Röhrl, Sepp Maier, Roberto Blanco etc.). Einzig Otto Waalkes tippte zunächst auf den FC Emden.
Bei Sport-Scheck kostete das Bayern-Trikot übrigens zu der Zeit zwischen 53 und 59 DM. Die Eintrittspreise für das Olympiastadion lagen zwischen 10 bis 30 DM. Für Schlagerspiele wurden Top-Zuschläge erhoben. Die Dauerkarte für ein Bayern-Mitglied kostete 75.- DM pro Saison (Stehplatz), für Nichtmitglieder 150.- DM. Die Redaktion des Bayern-Magazins leitete übrigens ein gewisser Markus Hörwick.
Weniger als das Ergebnis von 6:2 beeindruckte die Art und Weise des Heimsieges gegen Leverkusen. Die Bayern zauberten, glänzten mit Traumkombinationen und pausenlosem Sturmlauf. Kabinettstückchen vom Duo "Breitnigge" am Fließband.
An diesem Wochenende sind die Voraussetzungen völlig andere. Bayern tritt nicht als Meister an - und darf sich als Tabellenachter derzeit in der Krise wähnen. Leverkusen hingegen führt die Liga selbstbewusst an - und selten war die Chance so groß in München zu gewinnen wie zur Zeit.
Eine Trotzreaktion des FCB muss
jetzt kommen. Den Abstand von sechs auf drei Punkte zu verringern und dran bleiben ist alles was jetzt zählt. Verlieren die Gastgeber, bleibt die Unruhe und verringert sich die Chance den Weg zurück an die Tabellenspitze einzuschlagen. Ein Sieg gegen den Ersten ist Pflicht!
Mein Tipp: Bayern 3, Leverkusen 1