Donnerstag, 12. November 2009

Schwermut

Über Robert Enke hier noch viele Worte zu verlieren ist überflüssig. Nichts, was nicht schon gesagt oder geschrieben wurde. Allein die bundesweite Trauer und Betroffenheit über seinen Tod sagt über den Menschen Enke schon alles.

Aber ich möchte das Thema Depressionen hier vertiefen, wie ich es an anderer Stelle schon desöfteren getan habe.

Der gestrige Tag war ein dunkler, sehr schwerer Tag für mich. Die Todesnachricht und die Umstände im Fall Enke, haben mich bestürzt. Gestern Abend weinten meine Freundin und ich um diesen Mann und auch um seine Witwe Teresa. Ich habe seit nunmehr fast zwei Jahren nicht mehr geweint. Ein persönlichen Bezug zu diesen Menschen hatten wir nie - und doch haben wir eine große Nähe zu der Problematik.
Meine Lebensgefährtin leidet ebenfalls an Depressionen mit suizidalen Tendenzen. Ich weiß also - zumindest als Betroffener im Umfeld eines erkrankten Menschen - wovon jetzt alle Welt spricht. Dennoch bin ich so weit weg von dem, was ein depressiv erkrankter Mensch durchmachen muss, wie man es sich nur vorstellen kann. Kein gesunder Mensch kann sich in seine solche Lage versetzen. Niemand!

Alles was ich mir jetzt wünsche ist, dass das Thema nun öffentlich (und nicht reißerisch) diskutiert und in den Fokus gerückt wird - und zwar dauerhaft und nicht nur temporär. Damit hätte Robert Enkes Tod letztlich sogar etwas Gutes.
Depressionen zu verstehen wenn man selbst nicht unter ihnen leidet, ist nicht möglich. Diese Krankheit sieht man nicht. Sie kündigt sich auch nicht an. Ebenso wenig helfen Medizin oder bestimmte Verhaltensweisen über depressive Schübe hinweg zu kommen. Das was ich verstehe - als jemand der damit nun seit mehreren Jahren tagtäglich konfrontiert ist - habe ich versucht auszudrücken.

Meine Partnerin weiß es leider Gottes besser. Sie sagte mir gestern, dass der Suizid ein helles Tor ist, durch das man aus der Dunkelheit die einen umgibt flüchten will. Es ist die verzweifelte Suche nach Glück - die Erlösung durch den Tod ist dieses Glück. Man kann als depressiv kranker Mensch nicht einfach nach Hawaii fahren, sich in die Sonne und an den Strand legen und sich dann besser fühlen. Diese Dunkelkeit und Schwere - diese Last der Schwermut - schleppt man überall mit sich herum. Für Viele bleibt da nur ein Ausweg. Robert Enke hat diesen Ausweg gewählt. Nicht weil er eine Wahl gehabt hätte, sondern weil er musste.

Mittwoch, 11. November 2009

Ein Nachruf zum Tode von Robert Enke

Mich erreichte die Nachricht vom Tod Robert Enkes erst heute. Am Abend zuvor hat sich der 32-Jährige Nationaltorhüter und Schlussmann von Hannover 96 das Leben genommen. Überraschung, Fassungslosigkeit, Traurigkeit waren meine spontanen Empfindungen.

Der Tod eines so jungen Menschen ist immer tragisch. Noch tragischer wird es, wenn jemand den Entschluss fasst, freiwillig aus dem Leben zu gehen. Über die Gründe braucht man an dieser Stelle nicht zu spekulieren - für ihn waren sie ausreichend, um seine Frau und das gemeinsame Adoptivkind zurück zu lassen. Wie verzweifelt muss jemand sein, der einen solchen Schritt wagt?!

Zu all der Tragik kommt noch hinzu, dass Robert Enke - über alle Klubgrenzen hinaus - eine Person war, die man mögen musste, ohne dass er gleich everybody's darling war. Enke stand für Zielstrebigkeit, ohne allzu verbissenen Ehrgeiz. Enke durchschritt Täler - im privaten wie im beruflichen Umfeld - und meisterte alle Rückschläge.
Ein Mann ohne Pathos, ohne öffentliche Selbstdarstellung, einer der reflektierte und immer bescheiden wirkte. Robert Enke war auf dem Weg die unumstrittene Nummer Eins als Torhüter der Nationalmannschaft zu werden - die Krönung einer Karriere mit vielen Tiefpunkten und einer Menge durchschrittener Täler. Ich hätte ihn mir als Keeper beim FC Bayern gewünscht.

Doch neben dem sportlichen Verlust überwiegt die Traurigkeit über den Verlust des Menschen Robert Enke. Typen wie er sind rar - Stehaufmännchen, Kämpfer - ohne tagtäglich den eigenen Personenkult zu pflegen. Bescheiden, sympathisch, all das Adjektive die wohl jedem Fußballfan bei Robert Enke über die Lippen kommen. Der deutsche Fußball und die Welt hat einen großartigen Sportler und einen starken Menschen verloren. Am Ende war er seinen Herausforderungen unterlegen.

Mein Mitgefühl gilt seiner Familie, seinen Freunden und Kameraden und den Fans von Hannover 96.
Du warst ein guter Typ, Robert!

Robert Enke ist tot


Foto: Neue Presse


N
ationaltorhüter Robert Enke nahm sich gestern Abend in Hannover das Leben.
Ich habe keine Worte dafür.

Dienstag, 10. November 2009

Junge, Junge...

... hat's mir den Samstag verhagelt. Ich war nicht sauer, ich war erschüttert. Erst das Interview von Lahm - ausgerechnet von ihm, der seit Wochen magere Durchschnittskost serviert -, die frühe Flucht des Luca Toni, dann die aufgebrachten Drohungen von Uli Hoeneß gegen Lahm. Ohmann... ich weiß ehrlich nicht, was ich schlimmer fand?!

Spielerisch, nun ja, same procedure ... ich glaube, die Schalker haben angesichts unserer Harmlosigkeit drei Kreuze geschlagen. Nun sind es sechs Punkte bis zum Tabellenführer. Das ist aufzuholen. Gegen eben diesen sollten wir aber in zwei Wochen unbedingt punkten.

Das Drumherum am Samstag tat aber nun wirklich nicht Not - ein medienerfahrerener Mann wie Lahm muss wissen, dass ein Interview dann veröffentlicht wird, wenn die Zeitung den Zeitpunkt für gekommen sieht. So etwas macht man nicht, nicht am Spieltag und auch sonst nicht ohne Absprache mit dem Klub. Man kritisiert auch nicht öffentlich die Mitspieler (in dem Fall das Mittelfeld). Warum spricht Philipp Lahm eigentlich lieber mit der Süddeutschen als mit Trainer oder Manager? Auch wenn's inhaltlich stimmen mag, die Art und Weise ist absolut nicht in Ordnung.
Dann aber legte noch einer eine Schüppe drauf - und zwar Uli Hoeneß. Der stellt sich vor die Mirkofone und spuckt eine Drohung nach der anderen in Richtung Lahm. Was soll denn so etwas? Auch das, lieber Herr Hoeneß, sollte man doch wohl intern klären. Wenn man die Meute der Medien ständig füttert, dann darf man sich nicht wundern wenn diese Herren ständig vor den Türen stehen und scharren. Karl-Heinz Rummenigge wird interviewt und sieht in Lahm den künftigen Kapitän - nun darf man drei Mal raten, was die Medien daraus machen?! Man man man...

Samstag, 7. November 2009

Mein Fußballklub

Bayern München war schon immer - seit ich denken kann - der Klub über den alle redeten. In der Schule diskutierte man das Ergebnis der Bayern. Köln, Gladbach, Schalke, die kamen erst an die Reihe, wenn es um Derbys ging oder etwas wirklich Außergewöhnliches geschehen war. Über die Bayern sprach man immer. Das hat sich in all den Jahren nicht geändert. Ob in der Verwandtschaft, bei Bekannten, im Freundeskreis oder am Arbeitsplatz - über Bayern München sprach jeder.

Die Aufmerksamkeit in den Medien seit Jahrzehnten ist aufgrund der Bedeutung des Vereins zwangsläufig. Über Bayern schreibt die Ems-Zeitung genauso wie die Hannoversche Allgemeine oder die Sylter Rundschau. Über Lautern nur wenn sie mal Meister wurden oder über Leverkusen, wenn der Trainer Kokain konsumierte. Jeder Dorfkolumnist erlaubt sich Kommentare über Bayern zu schreiben. Von der Aufmerksamkeit in diesem Land bekommt der Münchner Klub am meisten ab - im Guten, noch mehr aber wie im Schlechten. Bayerns Dominanz im Laufe der Zeit hat Neider, Spötter, Hasser und Beobachter in Scharen angelockt - wie die Motten ums Licht. Wenn Du dann stolperst, freuen sich 50 Prozent der Republik.
In der Tagesschau kamen nach den Nachrichten immer die Fußballergebnisse. Die größte Aufmerksamkeit landauf landab fand immer das Ergebnis der Bayern. Verloren sie, freuten sich die Bayern-Gegner und ein großes Oho und Aha machte die Runde. Nichts davon ist heute anders.

Die mediale Verwurstung hat sich - wie die Medien generell - allerdings gewandelt. Der Sport ist nicht mehr die Hauptsache, es geht um das Drumherum. Es geht darum wie ein Trainer sich darstellt, wie er rüberkommt. Es geht um die hängenden Schultern eines Stürmers. Es geht um Wechselgerüchte und Berateraussagen. In den großen Tageszeitungen ist es nicht mehr der Inhalt einer Nachricht, der die meiste Bedeutung hat. Die Auflage verlangt Zugeständnisse - Spektakuläres muss her. Eine glatzköpfige Britney Spears schaffte es in die "seriösesten" Blätter - ebenso wie Amy Winehouse und Sendeformate wie Big Brother oder DSDS. Heute ist das Normalität - in der Süddeutschen, der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, wie auch in den Fernsehnachrichten senderübergreifend. Es geht um Klicks, um Werbeattraktivität, um Auflage oder Quote. Qualitativ hochwertige, gut recherchierte Berichterstattung ist die Ausnahme.

Als ich noch klein war, schickte mir meine Großmutter immer die Bayern-Berichte aus der Süddeutschen Zeitung per Brief, so als gäbe es dieses Blatt außerhalb Bayerns nirgends zu kaufen. Ich las alles und ich las es gern. Die waren nah dran und schrieben die besten und längsten Artikel über meinen Klub. Was die SZ dagegen heute absondert, ist keinen Deut von dem inhaltsleeren Geschreibsel anderer Blätter zu unterscheiden. Die gleichen platten Zoten und hängenden Vergleiche. Ohne Qualität und immer verdächtig, Unruhe schüren zu wollen - denn Unruhe bringt Schlagzeilen.

Das Boulevardeske hatte in München schon lange seinen Markt und damit auch seine Untiefen für einfach gestrickte Spielerpersönlichkeiten. Doch die wurden erst durch die Manege geführt, wenn sie sich selbst in deren Mitte drängten (Basler, Matthäus, Effenberg). Heute geschieht das bereits mit der Unterschrift unter einen Vertrag beim großen FC Bayern - ja, meist sogar schon weit vorher. Es reicht bei Bayern im Gespräch zu sein oder gebracht worden zu sein. Heute sind es nicht mal mehr nur die Spieler, die im Fokus des Interesses stehen. Es sind Trainer, Co-Trainer, Physios, Frauen, Freundinnen - alles was zum Kreis des Klubs gehört.
Heutzutage muss der FCB auch nicht mehr 4:0 verlieren um zum Gespött zu werden - es reicht schon ein mageres Unentschieden, schon ist das Gerede von Krise vorprogrammiert.

Gemessen wird natürlich an dem, was der Verein selbst als Zielsetzung ausgibt. Meister und Pokalsieger zu werden, hat schon seit Hitzfeld nicht mehr ausgereicht. Trickfußball war gewünscht - Fußball als Event. Ein Trainer Magath war mit zwei Doubles gerade mal so gut, dass man ihn nicht direkt entlassen musste. Zum ganz großen Wurf zählt für den Klub seit Jahren nur noch die Champions League. Daran wird alles gemessen - der Meistertitel, ein Pokal, alles nur Trostpreise - so kommt es einem manchmal vor. Die Fans (die richtigen) sehen das anders. Ihnen geht es um jedes Spiel. Sie zählen keine entgangenen Millioneneinnahmen, wenn es für die CL-Finalrunden nicht reicht und man im UEFA-Cup weiterspielen "muss".

Ich habe vor gar nicht allzu langer Zeit auf der Zugfahrt nach einem Auswärtsspiel die Gespräche anderer Bayern-Fans neben mir gehört. Da waren Leute, die schworen sie würden lieber in der Zweiten Liga spielen, als diese Hatz auf die europäischen Fleischtöpfe zur Prämisse zu erklären (okay, die Wortwahl war eine andere). Ich fand das etwas befremdlich, mittlerweile kann ich es sogar nachvollziehen. Für mich ist der FC Bayern in erster Linie noch ein Fußballklub - mein Fußballklub. Erst dann, erst danach ist es ein Wirtschaftsunternehmen. Seit einer Weile fehlen mir die Zeichen der Bayern-Chefs, dass man es dort auch noch so sieht.

Bayern vs Schalke

Ich gehöre zu den Unverbesserlichen und tippe ein deutliches 3:0.

Donnerstag, 5. November 2009

Der Himmel über München

Sie hauen flink in die Tasten, tippen hektisch in ihr Blackberry, quatschen in Hörer, sabbeln aufgeregt in Mikrofone, starren ernst in die Kameras, gestikulieren wild und blasen ihre banalen Schlussfolgerungen in die Luft. Von diesen Ausdünstungen klugscheißender Allwissenheit und dem gemeinschaftlichen Trompeten in die gleichen Hörner rücken oben erste dunkle Wolken enger zusammen, bis der Himmel über dem FC Bayern München endgültig zu bersten droht.

Was war geschehen? Bayern ist nicht Tabellenführer, Bayern war schon lange nicht mehr Tabellenführer, Bayern hat in der Champions League vielleicht dieses Jahr nicht das Zeug für die Finalrunde. Das ist der Stand Anfang November 2009.

Louis van Gaal ist wie lange Bayern-Trainer? Und immernoch hat dieser "Tulpengeneral" (was ist das eigentlich für eine schwachsinnige Wortkonstruktion?) den Bayern nicht den spielerischen Geist von Barcelona eingehaucht? Der FCB liegt nicht mit 10 Punkten Vorsprung vor allen anderen in der Liga? Der FCB ist noch nicht für die Finalrunde der Champions League qualifiziert, obwohl solche Nulpen wie Turin und Bordaux in der gleichen Gruppe sind? Unverschömtheit! Was macht der fiese Knilch eigentlich den ganzen Tag?

Ich bin jetzt über 30 Jahre Bayern-Fan, aber so eine mediale Hysterie wie seit der letzten Spielzeit habe ich vorher noch nie erlebt. Ihr habt sie doch nicht mehr alle.